Winker / Blinker, Teil 1

 Blinker und Winker, Teil 1 

 

Themen auf dieser Seite:

- der gute alte Winker: wie er funktioniert
- der Blinker: wie er angeschlossen wird
- der Blinker und der Winker: es geht auch beides
- Winker umfrisieren, damit sie auch blinken können
- die Warnblinkanlage
- Warnblinker, Blinker und Winker: nichts ist unmöglich

 

Alte Autos haben Winker. Oder hatten mal welche, die Mitte der 60er Jahre ausgebaut oder stillgelegt wurden. Der DKW jedenfalls hat sie noch heute und er hatte nie Blinker. Nicht vorn, nicht hinten, nicht an der Seite. Und im Armaturenbrett folglich auch keine Kontrollleuchte dafür.

 

Winker sind mechanisch komplizierter als sie aussehen, da gibt es kleine Kniehebel, die das Ausschwenken durch Fliehkraft in scharfen Kurven oder durch Neugierige verhindern, kleine Federn, Gelenke und Kontakte.

Gemessen an der Mechanik sind sie jedoch elektrisch ziemlich primitiv: ein einfacher Schalter mit drei Stellungen - links, Mitte, rechts. Und das war's auch schon.


Innen eine Spule und eine Glühlampe - fertig.


Zugegeben: es gibt im Winker meist auch noch einen kleinen Schaltkontakt, aber davon später.

Im Schaltplan oben rechts ist das grundsätzliche Prinzip des Winkers dargestellt. Das kleine Rechteck mit dem Strich hindurch ist eine Sicherung! Sie ist das wichtigste Teil von allen, denn wenn es einen Kurschluss geben sollte, brennt sie durch - und nicht das ganze Auto.

 

Die schwarzen Rechtecke sind die Hubspulen, die setzen einen Eisenanker und damit den Winkerarm in Bewegung. Weil diese Spulen nicht dauerstromfest sind, können sie durchbrennen und dann haben wir solch einen Kurzschluss! Wenn es am Auto blinken soll, muss erst einmal ein Blinkrelais her, entweder mit Bimetall oder mit Elektronik:

 Erst einmal noch ohne Winker: 

das ist nicht schwer, denn das Blinkrelais wird einfach zwischen die Sicherung und den Winkerschalter eingefügt ("49" an plus, "49a" zum Schalter, "31" ist - wie immer - minus).


Nun müssen noch Blinkleuchten und eine Kontrollleuchte eingebaut werden.

 

Und schon blinkt es am Auto!

Die alten Winker fliegen raus oder werden stillgelegt - ab jetzt können wir also blinken, trauern aber unseren schönen alten Winkern nach.

Im Bild rechts ist ein Schaltungsvorschlag zu sehen, wie sich mit zwei Blinkrelais auch die Winker noch betreiben lassen.


Das Blinkrelais ist hier nicht mehr vor dem Winkerschalter eingebaut, sondern es sind deren zwei Stück hinter dem Winkerschalter angeschlossen.

Der Trick dabei: der Winkerschalter steuert nun - wie anno dazumal - die Winker mit Strom von der Zündung (Dauerstrom, d.h. nicht blinkend) und gleichzeitig auch die Blinkrelais, je nach Fahrtrichtung. Sonst würden die Winker dauernd rauf und runter gehen.

 

Hierzu ist dreierlei zu sagen:

 

1) die Winker müssen modifiziert werden, damit sie blinken können, mehr dazu weiter unten.

 

2) Bei Betätigen des Winkerschalters nach einer Seite versorgt dieser die Spule des Hubmagneten mit Dauerstrom, der Winkerarm schwenkt aus und blinkt!

 

3) Diese Schaltung kann nicht warnblinken. Das müssen Autos jedoch nach der StVZO auf jeden Fall können! Und das gilt auch für Oldtimer. Deshalb können wir diese Schaltung praktisch sofort wieder vergessen (aber der Weg war das Ziel!). Wie es trotzdem geht: siehe weiter unten.

 Modifikation Winker 

Im Schaltbild oben ist mit Kreuzen markiert, dass Kabelverbindungen getrennt werden müssen. Ein normaler Winker ist intern wie im Bild rechts verdrahtet.

 

Der Hubmagnet betätigt beim Ausschwenken des Winkerarms einen Kontakt, der den Anschluss "K" auf Masse schaltet.

Dieser Anschluss dient als Rückmeldung für eine Kontrollleuchte, die anzeigt, dass der Arm draußen ist (manche Oldtimer haben das, aber nicht alle).

 

Die Spule des Hubmagneten und die Glühlampe liegen einseitig gemeinsam an Gehäusemasse und mit der anderen Seite gemeinsam am Kontakt "+".

 

Zumindest bei meinem DKW F5 Reichsklasse von 1936 ist der Kontakt "K" gar nicht beschaltet und bei vielen anderen alten Autos eventuell auch nicht. Aber selbst wenn: der Kontrollkontakt wird ohnehin nicht mehr gebraucht, denn ab sofort übernimmt das ja eine (vorgeschriebene) Kontrollleuchte für den Fahrtrichtungsanzeiger (grün). So bietet es sich an, die Kabelverbindung von der Glühlampe zur Spule des Hubmagneten zu trennen (abkneifen oder ablöten) und das Kabel, das aus dem Winkergehäuse zur Glühlampe im Winkerarm führt, an dem (unbenutzten) Anschluss "K" anzuschließen. Danach wird über den Anschluss "+" der Arm ausgeschwenkt (Dauerimpuls) und über "K" geblinkt (Blinkimpuls vom Relais).

 Problem Nr. 1:  der Schalter würde gegen Masse nun einen Kurzschluss verursachen, und daher muss der Schaltkontakt ("K") so verbogen oder isoliert werden, dass er nicht mehr schalten kann. Im Bild rechts ist mit dem roten Kreis die Lötstelle markiert, an der die Spule und die Glühlampe (serienmäßig) angeschlossen sind. Das gelbe Kabel zur Lampe muss an dieser Stelle abgelötet und am Anschluss "K" angeschraubt werden (kann bei anderen Winkermodellen anders aussehen).

 Problem Nr. 2:  § 22 StVZO verlangt, dass Leuchten am Auto einer Bauartgenehmigung (BAG) bedürfen. Diese Bauartgenehmigung wird durch den Eingriff möglicherweise verwirkt. Doch davon auf der nächsten Seite mehr... Soweit, so gut. Nun können wir also blinken und haben außerdem noch einen Riesenspaß dabei, dass jedes Mal der Winker ausschwenkt, ausgeschwenkt bleibt und brav mitblinkt. Aber was ist mit der Warnblinkanlage?

 Video 

...der Winker schwenkt aus und blinkt....

 Der Warnblinker 

 

Seit 1973 verlangt das Gesetz, dass Autos auch noch einen Warnblinker haben müssen, bei dem alle Blinkleuchten in demselben Takt blinken, und da wird es kompliziert.

 

Eine einfache Lösung, die sich an meiner Moto-Guzzi von 1981 seit gut 30 Jahren bewährt hat, besteht aus einem einfachen Kippschalter ("2 x um") und einer Gleichrichterbrücke, beides vom Elektronikversand "für kleines Geld" (Bild unten rechts).

 Wie das funktioniert, ist schnell erklärt:   das Blinkrelais ist nicht mehr direkt an "Zündung" angeschlossen ("15"), sondern über einen der beiden Öffnerkontakte eines doppelten Kippschalters (Umschalter).


Im Blinkbetrieb ändert sich dadurch nichts - die Blinkanlage wird wie zuvor mit Strom von der Zündung versorgt.

Der verwendete Gleichrichter ist millionenfach bewährte Massenware und bei Conrad Electronic unter der Nummer 501107-99 erhältlich, verträgt bis zu 10 Ampere und ist nicht teuer. Durch seine 6,3mm Flachsteckanschlüsse lässt er sich mit Kabelschuhen anschließen (ideal für Kfz-Anwendungen), mit einen 4-mm-Loch lässt er sich überall einfach festschrauben.

 Wer nur blinken, warnblinken und zum TÜV will,  ist jetzt am Ziel und muss nicht mehr weiter lesen!

 

Allerdings funktioniert so kein Winker mehr.

 Im Warnblinkbetrieb  schaltet der obere Kontakt im Bild auf Dauerplus ("30") um, sodass die Anlage auch ohne Zündung funktioniert, der untere Kontakt schaltet den Ausgang des Blinkrelais auf die Gleichrichterbrücke (Achtung: auf dem Bauteil ist dieser Anschluss mit "-" gekennzeichnet, obwohl hier plus-Potential aufgeschaltet wird! Das ist richtig so, weil der Gleichrichter nämlich etwas zweckentfremdet wird).

 

Die Blinksignale werden über die beiden oberen Dioden auf beide Seiten verteilt - alle Lampen blinken im gleichen Takt! Wenn die (grüne) Kontrollleuchte wie oben im Bild angeschlossen wird, blinkt sie auch beim Warnblinken mit. Gleichzeitig zeigt die (rote) Kontrollleuchte das Warnblinken an (Vorschrift bei mehrspurigen Fahrzeugen! Darauf achtet der TÜV-Sachverständige!).

 

Wichtige Anmerkung: Dioden haben den Nachteil, dass an ihnen etwa 0,7 bis 1 Volt Spannung verloren gehen. Bei 12 Volt kein Problem, aber bei 6 Volt schon! Auch darüber später mehr...

 

Einen geeigneten Schalter mit eingebauter Kontrollleuchte hat z.B. RAFI im Programm (Conrad Electronic, Best.-Nr. 706507-99, Lampe für 12 Volt: 729044-99). Es tut aber auch ein ganz normaler Kippschalter und eine Kontrollleuchte daneben.

 

Der RAFI-Schalter hat nämlich den Nachteil, dass an seinen Anschlüssen Kabel angelötet werden müssen. Mit den angelöteten Kabeln passt der Bursche dann aber nicht mehr durch das Loch im Armaturenbrett, das eigens für ihn dort hinein gebohrt werden muss. Montagefreundlich ist das nicht. Aber es ist machbar.

 

Wer es lieber "Kfz-üblich" ohne Dioden haben möchte (oder mit 6 Volt fahren will und die Dioden meiden sollte), wird bei Bosch fündig: unter der Nummer 0340 302 006 gibt (oder besser: gab) es einen beleuchteten Schalter, der zwar neu nicht mehr lieferbar ist, aber eventuell noch im Internet ersteigert oder auf Oldtimerbörsen ergattert werden kann - die Verdrahtung sieht dann wie folgt aus:

Bosch 0340 302 006 (neu nicht mehr lieferbar)

Diese Schaltung erfüllt nun alle Vorschriften, aber was ist mit den Winkern?


Jetzt kann vorschriftsmäßig geblinkt werden, auch der Warnblinker funktioniert und alle nötigen Kontrollleuchten auch, aber den Nostalgikern blutet das Herz: wie werden nun die Winker angeschlossen?

 

Zugegeben: es gibt fertige "Alleskönner-Relais" für diesen Zweck zu kaufen, aber einige davon sind nicht gerade billig.

 Konventionelle Alternative: 

 

Deshalb hier eine "konventionelle" Methode, die blinken, warnblinken und auch noch winken kann - basierend auf Standardbauteilen als Alternative zum "Alleskönner-Relais":

 Nun zur Funktion:  im Blinkbetrieb wird je nach Blinkrichtung das eine oder das andere Blinkrelais parallel zum Hubmagneten mit Strom versorgt. Der jeweilige Winker schwenkt aus, das Blinkrelais beginnt Blinkimpulse zu erzeugen, und die Blinkleuchten blinken so, wie sich das gehört.

 

Beim Richtungsblinken nach rechts fließt der Strom über den (geschlossenen) Kontakt im Kippschalter zum rechten Blinkrelais, und es blinkt.

 

Beim Richtungsblinken nach links fließt der Strom direkt zum Blinkrelais und mit einem Umweg über den Kippschalter zu den Blinklampen.

 Beim Warnblinken  schaltet der Kippschalter die Stromversorgung des rechten Relais auf "30" (Dauerstrom, unabhängig von Zündung) um - das rechte Relais beginnt sofort zu blinken.


Gleichzeitig wird der Ausgang des rechten Relais von den Blinklampen abgekoppelt und auf das linke Relais umgeschaltet: alle Blinklampen blinken in demselben Takt, wie das Gesetz es verlangt.

Die beiden linken Dioden versorgen die vorgeschriebene (rote) Kontrollleuchte mit den Blinkimpulsen, das Relais rechts schaltet beim Richtungsblinken von der roten auf die grüne Kontrollleuchte für Fahrtrichtungsanzeiger um.

 

(Auf die rechte Diode kann verzichtet werden: sie dient nur dazu, über einen geeigneten Vorwiderstand die rote Kontrollleuchte schwach leuchten zu lassen, wenn Licht am Auto eingeschaltet ist (Anschluss "58d") - eine Auffindbeleuchtung für den Warnblinkschalter bei Nacht. Eine solche ist aber nicht vorgeschrieben).

 Warnblinken mit Winkern 

 

Jetzt kann also vorschriftsmäßig geblinkt werden, der Warnblinker samt Kontrollleuchte ist realisiert und die Nostalgiker unter den Oldtimer-Freunden haben ihren Heidenspaß, wenn dazu auch noch die Winker ausklappen und brav mitblinken!

 

Nun soll es aber Leute geben, die der Meinung sind, dass ausgeschwenkte Winker eine Verletzungsgefahr für Fussgänger oder Radfahrer sein könnten. Zumindest beim DKW mit Holzkarosserie reißen die Befestigungsschrauben der Winker aber wie Sollbruchstellen bei jeder kräftigen "Feindberührung" aus dem Holz und geben nach. Jedenfalls dürften die hakenförmigen Türklinken gefährlicher sein.

 

Es empfiehlt sich jedoch, die Winker mit einem unauffälligen Schalter an versteckter Stelle abschaltbar zu machen, der beim Auftauchen von Herrschaften mit grüner oder blauer Amtsgarderobe bereits in gebührendem Abstand betätigt werden kann. In der Schaltung oben wäre das am einfachsten mit einem zweipoligen Schalter zu realisieren, der die Winker masseseitig abschaltet. Beim DKW mit Holzkarosserie ist das besonders einfach möglich.

Als Dioden können entweder solche von Bosch mit Flachsteckanschlüssen (Best.-Nr. 0212 911 001 - gepfefferter Preis) dienen oder der Standard-Typ "BY 550" (z.B. Conrad-Nr. 152897-99) oder ein ähnlicher Typ, an den aber Flachstecker oder Kabel angelötet werden müssen.

 Einige Anmerkungen: 

 

Der RAFI-Schalter wird mit verschiedenfarbigen Kappen geliefert, für den Warnblinkschalter ist natürlich die rote zu verwenden. Die StVZO schreibt hier eine Kennzeichnung vor, die mit einem wasserfesten Filzstift von Hand in Form eines Dreiecks mit nach oben zeigender Spitze fein säuberlich aufgemalt werden muss. Ich habe ein solches Symbol mit dem PC gezeichnet, auf dünnes 60-g-Papier gedruckt, ausgeschnitten und im RAFI-Schalter unter der roten Kappe eingelegt. Sieht richtig professionell aus.

 

In den Bildern oben fällt auf, dass jeweils drei Blinklampen parallel geschaltet sind: vorn, hinten und an der Seite die Winker. In den alten Winkern sind nur Glühlampen mit 3 Watt vorhanden, die anderen Blinklampen müssen mit 18 Watt oder 21 Watt versehen werden.

 Fazit:  alle Anforderungen lassen sich mit konventionellen Relais und Schaltern (z.B. Bosch 0340 302 006) und etwas schaltungstechnischem Aufwand realisieren - bequemer geht es allerdings mit einem Universalrelais, z.B. von Kabel Schmidt.

 

weiter lesen mit "Blinker / Winker, Teil 2".

 

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