Fahrzeugleuchten umbauen

 Die alte Beleuchtung 

 

 entspricht natürlich nicht mehr den Vorschriften von heute: Fahrtrichtungsanzeiger mit blinkendem gelbem Licht waren 1936 noch nicht üblich, die Winker waren "Formsignale" und gaben äußerst spärliches gelbes Dauerlicht für den Fall der Dunkelheit ab - mit sagenhaften 3 Watt - bei Sonnenlicht "unsichtbar"!

 

Dem Erfindergeist sind kaum Grenzen gesetzt, so scheint es, und häufig hört oder liest man, z.B. in Internet-Foren, dass vorhandene Leuchten irgendwie modifiziert werden sollen.

 

Das erste Problem dabei: einmal umgebaut, sind die Leuchten streng genommen ja nicht mehr die alten, entsprechen damit nicht mehr der "historischen" Bauartgenehmigung und erfüllen den Paragrafen 22 StVZO nicht mehr. Kurz gesagt: sie sind plötzlich nicht mehr zulässig!

 

       Eigentlich...

 

Über die absolut legalen Ausnahmen bzw. Übergangsvorschriften habe ich schon geschrieben, aber selbst wenn bei neueren Fahrzeugen nichts mehr zu diskutieren ist: der findige Oldtimer-Freund hofft vielleicht insgeheim, dass der Mann vom TÜV ja nicht weiß, dass die Leuchte "umfrisiert" ist. Allerdings darf eben jener findige Oldtimer-Freund den Sachverstand der Prüfer auch nicht unterschätzen, und schon gar nicht deren Erfahrung. Wer will denn so vermessen sein, sich noch einen Trick auszudenken, mit dem nicht schon zahllose andere "Schrauber" die Herren vom TÜV mehr oder weniger erfolglos auf's Kreuz zu legen versucht haben? Und die Jungs haben auch ihren Stolz.

Nur zu gern wird da auf die Zweifadenlampe mit dem Sockel BAY-D zurückgegriffen, dies ist eine Glühlampe, die mit 5 Watt als Rücklicht dienen kann und gleichzeitig mit 21 Watt als Blink- oder Bremslicht. Und schon gibt es eine Lichtquelle mehr am Fahrzeugheck, ohne dass es eine Leuchte mehr gibt! Entsprechende Fassungen gibt es im Fachhandel oder im Internet zu kaufen.

 

Aber: zu schön um wahr zu sein, denn je nach Erstzulassung könnte es dann vielleicht nicht nur an der nötigen Zulassung hapern, sondern es kann auch richtige technische Probleme geben (davon weiter unten mehr).

 Vorsicht Heizung! 

 

das zweite (und vielleicht größere) Problem ist, dass eine historische Leuchte, die von Haus aus mit einer 5-Watt-Glühlampe versehen und dafür konstruiert war, auch nur mit der Abwärme dieser Funzel fertig werden muss. Normalerweise macht das Lampenglas seinem Namen keine Ehre und überhaupt besteht nicht aus Glas, sondern aus Kunststoff. Bei Leuchten aus den 30er, 40er und 50er Jahren wissen wir oft nicht, welche Kunststoffe da vor uns liegen. Jedenfalls dürften es Thermoplaste sein: so werden Kunststoffe genannt, die bei Wärme schmelzen, und die halten hohe Temperaturen nicht unbegrenzt lange aus. Da Glühlampen mehr als 90% der elektrischen Energie in Wärme umwandeln, kann sich jeder vorstellen, dass bei einer 21-W-Glühlampe die Heizwirkung eines kleines Lötkolbens am Werk ist. Daran muss gedacht werden!

 

Mit dieser Wärme muss nun das Lampenglas, das ja gar kein Glas ist, zurecht kommen.

Links sind beide Lampen zu sehen, die größere Zweifaden-Lampe (5W/21W) und rechts die kleinere (häufig serienmäßige) Kugellampe (5W), die für Rücklichter typisch ist. Hier fällt auf, dass die Zweifadenlampe viel größer ist als ihre 5W-Schwester.

 

Wenn wir Pech haben, passt die Lampe schon von der Länge her gar nicht in die historische Leuchte hinein. Und wenn doch, dann kommt der Lampenkolben an der obersten Stelle dem Lampenglas wahrscheinlich gefährlich nahe und wird diesem ordentlich einheizen.

Wenn der Kunststoff schlapp macht, schlägt nicht nur der Mann vom TÜV die Hände über dem Kopf zusammen: unsere schöne historische Leuchte, genauer gesagt ihr Lampenglas, ist auch dahin. Woher nun Ersatz beschaffen?

 

Es ist ja nicht auszuschließen, dass die Bremse längere Zeit betätigt wird und es der Leuchte gehörig warm wird. In der Praxis wird das zwar selten der Fall sein, denn jeder Bremsweg ist irgendwann einmal zu Ende. Aber der Fahrer könnte nach dem Anhalten noch minutenlang auf dem Bremspedal stehen bleiben, und deshalb muss die Leuchte das aushalten. Im Fall einer Zweifadenlampe können - wenn das Licht eingeschaltet ist und gebremst wird - beide Glühfäden gleichzeitig brennen, das wären dann zusammen 26 Watt. Dann wird's brenzlig!

 

Wenn also umgebaut wird, dann muss unbedingt ausprobiert werden, welche Temperaturen die einzelnen Bestandteile der Leuchte erreichen, und wie die Werkstoffe, d.h. in diesem Fall Thermoplaste, damit fertig werden.

 Fazit:  vom Umbau der Leuchten ist eher abzuraten. Einen gewissen Bastel- und Improvisationscharakter können solche Modifikationen nie ganz leugnen. Aber auch deshalb, weil unter anderem die Ersatzteilfrage schwierig werden kann.

 

 Achtung:  durch Umbau von Leuchten wird die Zulassung ("BAG" - Bauartgenehmigung) möglicherweise ungültig. Die lichttechnischen Eigenschaften (Lichtstrom, Blendung usw.) werden unkontrolliert verändert.

 

 Vorsicht:  Wärmehaushalt beachten!

 

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