Die Mehrfachkontrollleuchte

 Die heimliche Dreifaltigkeit: 

 

Nur eine Kontrollleuchte, nur ein Loch im Armaturenbrett, aber mindestens drei verschiedene Farben (und Funktionen):

Leuchtfunktion blau (Fernlicht)
Blinkfunktion grün (blinken)
Blinkfunktion rot (warnblinken)

 Blaulicht: 

 

Die StVZO gibt es nicht erst seit Gründung der Bundesrepublik, und ihre Ausgabe von 1935 verlangte noch keine blaue Kontrollleuchte für das Fernlicht. Deshalb hatte der DKW (Baujahr 1936) so etwas serienmäig auch noch nicht.

 

 Grünstich: 

 

Auch eine grüne Kontrollleuchte für den Fahrtrichtungsanzeiger hat er nie gehabt, denn "Blinker" verlangte die spätere StVZO ja erst ab 1963. Und da war der DKW längst abgemeldet.

 

Irgendwann aber, der Zeitpunkt ist unbekannt, wahrscheinlich in den frühen 50er Jahren, muss vermutlich der TÜV die Nachrüstung einer blauen Fernlichtkontrolle verlangt haben.

So fand sich im historischen Armaturenbrett eine kleine unscheinbare Kontrollleuchte von Bosch, die allerdings recht lieblos ins antike Gehölz hinein gemurkst worden war.

 

Grobe Handwerkerhände müssen ohne Gnade gewütet haben. So konnte das nicht bleiben.

 

Um noch mehr Löcher im sorgsam restaurierten Armaturenbrett zu vermeiden, habe ich in der "zeitgenössischen" Kontrollleuchte von Bosch die Glühlampe durch eine praktisch genau gleich große Leuchtdiode ersetzt, die sowohl blau leuchten, als auch grün blinken kann. Wenn es sein muss, kann sie auch noch rot leuchten, blinken oder warnen und theoretisch sogar in jeder anderen beliebigen Farbe.

 

Sie könnte z.B. auch noch gelb vor zu heißem Kühlwasser oder irgend etwas anderem warnen.

Zugegeben: elektronischer Firlefanz wie Leuchtdioden, Transistoren oder anderes Teufelszeug haben in einem historischen Auto nichts zu suchen.

 

Unnötige Bohrlöcher zur bloßen Befriedigung von neuzeitlichem Paragraphenwerk aber auch nicht.

LED mit Platinen, die Anschlussdrähte abgewinkelt
LED vor dem Anlöten der Kabel
Das "Black Böxchen" - es steuert rot, grün und blau

Um der altehrwürdigen Kontrolleuchte farbenfrohe Mitteilsamkeit beizubringen, wurde eine Dreifarben-Leuchtdiode verwendet, die mit 5 mm Durchmesser ziemlich genauso dick ist wie das serienmäßige Glühlämpchen.

 

Anstatt der Fassung habe ich zwei kleine Platinen geätzt, die sechs Anschlussbeinchen der LED in geschickter Weise abgekantet, durch die Platinen gesteckt und mit Anschlusskabeln verlötet.

 

Ein kleiner Trick nutzt die Lampenfassung auf besondere Weise: die gemeinsame Masse der vier eingebauten LED (grün, rot und 2 x blau) ist an der Mitte der Platinchen zusammengeführt und nutzt den ehemaligen Pluskontakt des Birnchens in der Fassung. Deshalb sind im Bild oben auch nur drei Kabel zu sehen: rot, grün und blau.

Etwas Geschick und eine kleine Spitzzange sind dazu nötig, mehr nicht. Außerdem wurde die serienmäßige blaue Linse, die aus dem weißen Licht der Glühlampe blaues Licht macht, durch eine weiße Linse ersetzt, die ich auf meiner Drehbank aus Plexiglas hergestellt habe.

 

Natürlich wurde die alte blaue Linse und das originale 6-V-Lämpchen verwahrt, sodass auch diese Modifikation praktisch spurlos rückgängig zu machen ist!

 

 Aber Obacht: 

 

Das "Black Böxchen" hat die Aufgabe, die Dreifarben-LED zu steuern:

 

Die Sache hat nämlich einen Haken - die additive Lichtmischung! Wenn Fernlicht eingeschaltet ist, leuchtet das LED-Lämpchen blau, wenn der Fahrtrichtungsanzeiger blinkt, leuchtet es grün. Alles prima, könnte man meinen, aber Pustekuchen:

 

Wenn nämlich bei eingeschaltetem Fernlicht der Blinker dazu kommt, sendet die Dreifarben-LED blau und grün gleichzeitig aus, und das ergibt türkis als Mischfarbe. Folge: weder die Vorschrift, dass Fernlicht blau angezeigt wird, noch dass der Blinker grün angezeigt wird, ist erfüllt. Wenn das der Mann vom TÜV sieht, wird er das weise Haupt schütteln und das Stempelkissen wieder zuklappen!

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So funktioniert die Mehrfachkontrollleuchte:

Die Mehrfarben-Leuchtdiode ("Kingbright Fullcolor", Conrad Best.-Nr. 185388 - 62) enthält eine LED für rot, eine für grün und zwei für blau in einem Gehäuse. Um zu vermeiden, dass blau und grün gemeinsam angesteuert werden, habe ich eine ziemlich simple Verriegelung mit zwei Transistoren entworfen.

 

Die Transistoren sorgen dafür, dass grün Vorrang vor blau hat: sobald zum Fernlicht, welches blau angezeigt wird, der Blinker hinzukommt, "verdrängt" das grüne Licht das blaue, und im Ergebnis blinkt die Kontrolle blau und grün im Wechsel.

Die Funktion:

 

Funktion

Anzeige

Vorschrift

Fahrtrichtungsanzeiger

grün (blinkend)
nach EG-Richtlinie 78/316

§54 StVZO:
"Sind Fahrtrichtungsanzeiger nicht im Blickfeld des Führers angebracht, so muss ihre Wirksamkeit dem Führer sinnfällig angezeigt werden."

Fernlicht

blau

§50 StVZO:
"Die Einschaltung des Fernlichts muss durch eine blau leuchtende Lampe im Blickfeld des Fahrzeugführers angezeigt werden."

Fahrtrichtungsanzeiger
und Fernlicht

 

grün / blau
(im Wechsel blinkend)

§§ 50, 54 StVZO (siehe oben)

optional (im Schaltungsentwurf auf dieser Seite nicht dargestellt):

Warnblinkanzeige

rot (blinkend)

§53a StVZO:
"Dem Fahrzeugführer muss durch eine auffällige Kontrolleuchte nach § 39a angezeigt werden, dass das Warnblinklicht eingeschaltet ist."

Warnblinkanzeige

und Fernlicht
rot / blau
(im Wechsel blinkend)
§§ 53a, 54 StVZO (siehe oben)

Für Nachbauer:

 

Stückliste

Transistoren

2 x

BC 177B

 

12-Volt-Version:

Basiswiderstände:

1x
1x

22k (Ansteuerung blaue LED)

27k (Ansteuerung grüne LED)

Vorwiderstände LED:

1x

1x

330Ω (blaue LED, 4,5V)
470Ω (grüne LED, 2,5V)

Schaltdioden

2x

1N4148

 

6-Volt-Version:

Basiswiderstände:

1x
1x

12k (Ansteuerung blaue LED)

14k (Ansteuerung grüne LED)

Vorwiderstände LED:

1x

1x

1Ω (blaue LED, 4,5V), oder Drahtbrücke
180Ω (grüne LED, 2,5V)
Schaltdioden

2x

1N4148

 

Achtung: der Autor hat nicht geprüft, ob dieser Schaltungsentwurf bzw. die Idee einer kombinierten Blink- / Fernlichtkontrolle bereits patentrechtlich geschützt ist. Die Herstellung könnte deshalb untersagt werden oder rechtliche Folgen nach sich ziehen. Das hier beschriebene Muster wurde nur zu Versuchszwecken hergestellt.

Praktische Funktionsbeschreibung:

Im Blinkbetrieb zeigt die grüne LED dem Fahrer während der Hell-Phase das Blinken an (§54, Abs. 2 StVZO).

 

Wird das Fernlicht eingeschaltet, so leuchtet die blaue LED auf, die vorgeschriebene blaue Kontrolle für das Fernlicht (§50, Abs. 5) ist damit gewährleistet.

 

Wenn bei eingeschaltetem Fernlicht der Fahrtrichtungsanzeiger hinzu eingeschaltet wird, so erlischt während der Hell-Phase des Blinkens die blaue LED, und die grüne LED leuchtet auf. Damit ist gewährleistet, dass der Fahrtrichtungsanzeiger mit einer blinkenden grünen Kontrolle (§52, Abs. 2 StVZO, EG-Richtlinie 78/316) angezeigt wird. In den Dunkel-Phasen des Blinkens erlischt die grüne LED, und die blaue LED zeigt an, dass das Fernlicht eingeschaltet ist (§50, Abs. 5 StVZO). Beide Kontrollfunktionen sind dadurch in einer Leuchte kombiniert und erfüllt.

 

Elektrische Funktionsbeschreibung:

Beim Einschalten des Fernlichts wird Transistor T1 über die Diode D1 mit Spannung versorgt, über dessen Basis fließt der Basisstrom nach Masse ab und der Transistor T1 wird leitend: die blaue LED leuchtet. Diode D1 dient einer Spannungsreduzierung, die für die weitere Funktion notwendig ist. Wenn zum Fernlicht der Fahrtrichtungsanzeiger hinzu geschaltet wird, wird während der Hell-Phase die Basis von Transistor T1 über die Diode D2 mit derselben Spannung versorgt wie der Emitter, dadurch wird die Spannung Emitter-Basis Null und der Transistor sperrt. Da Transistor T1 nun sperrt, erlischt die blaue Leuchtdiode, gleichzeitig fließt über den Basiswiderstand R1, den Vorwiderstand R2 und durch die blaue Leuchtdiode in Durchlassrichtung ein Basisstrom zum Transistor T2, sodass nun die grüne Diode leuchtet.

 

Hinweis:

Der Schaltungsentwurf ist sehr einfach und hat einen kleinen eingebauten Konstruktionsfehler - dieser besteht darin, dass der (sehr schwache) Basisstrom für Transistor T2 durch die blaue LED fließen muss und diese dadurch ganz schwach leuchten lässt. Dieser Effekt fällt in der Praxis so gut wie nicht auf, da die grüne LED das sehr schwache blaue Licht überstrahlt.

 

Wer aber ganz genau hinschaut, dem fällt auf, dass das grüne Kontrolllicht des Fahrtrichtungsanzeigers einen ganz leichten Farbstich in Richtung türkis bekommt, wenn das Fernlicht gleichzeitig eingeschaltet ist.

 

Durch Erweiterung der Schaltung (Hinzufügen eines weiteren Transistors T3) ist es möglich, auch noch die rote LED als Anzeige für den Warnblinkbetrieb zu nutzen. Laut StVZO und EG-Richtlinie 78/316 muss dem Fahrer nur der Betrieb des Fahrtrichtungsanzeigers mit einer grünen Leuchte angezeigt werden. Im Warnblinkbetrieb wird aber durch gleichzeitiges Aufleuchten aller Blinklampen kein Richtungsblinken angezeigt, der Betrieb des Fahrtrichtungsanzeigers ist damit zu verneinen und die grüne Kontrollleuchte ist nicht mehr verlangt – an ihrer Stelle zeigt nun die rote LED in Übereinstimmung mit §53a, Abs. 4, Satz 3, den Warnblinkbetrieb an.

 

(rein theoretisch könnte die LED auch mit gelbem Licht noch eine vierte Warnfunktion übernehmen, wenn rot und grün gleichzeitig angesteuert werden).

Weitere Hinweise:

 

Aufgrund der Anfrage über meine Kontaktseite weise ich auf folgendes hin:

 

Bei Zweirädern ist die grüne Kontrollleuchte für den Fahrtrichtungsanzeiger nicht unbedingt vorgeschrieben: "Sind Fahrtrichtungsanzeiger nicht im Blickfeld des Führers angebracht, so muss ihre Wirksamkeit dem Führer sinnfällig angezeigt werden; dies gilt nicht für Fahrtrichtungsanzeiger an Krafträdern und für seitliche Zusatzblinkleuchten" (§54 StVZO).

 

Ebenfalls muss bei Zweirädern das Fernlicht nicht zwingend mit einer blauen Kontrollleuchte angezeigt werden: "Die Einschaltung des Fernlichts muss durch eine blau leuchtende Lampe im Blickfeld des Fahrzeugführers angezeigt werden; bei Krafträdern und Zugmaschinen mit offenem Führersitz kann die Einschaltung des Fernlichts durch die Stellung des Schalthebels angezeigt werden" (§50, Abs. 5 StVZO).

 

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