KOSMETIKSALON, TEIL 2 

 2014 

An einem Samstagnachmittag konnte ich mich der plastischen Chirurgie zuwenden, und ich entschied mich für das Weichlöten: ein Streifen aus dünnem Messingblech, eine Füllung aus Kupferblech und viel Geduld führten zum Erfolg. Die Fehlstelle konnte so sauber und mechanisch dauerhaft repariert werden.

 

Am 14. November waren endlich alle wichtigen Blechteile lackiert und fertig für die Montage, die aber erst Anfang Dezember auf die Tagesordnung kam.

Eine weitere Herausforderung war das Haubenauflageband: original (oder nicht original, ehrlich gesagt weiß ich das ja nicht genau) war das alte Textilband mit Messingnieten befestigt.

 

Wo sollte ich jetzt diese blöden Niete her bekommen?

 

Das Einfachste wären Blindniete gewesen, ich hätte sogar noch welche aus Kupfer in meiner Werkzeugkiste gehabt (wer wirft so etwas schon weg...), aber "POP-Niete" in einem Oldtimer? Das hätte doch ziemlich "verboten" ausgesehen.

Die Lösung fand sich in der Schreibtischschublade: zum Vernieten von Verträgen werden gelegentlich kleine runde Hohlniete benutzt. Leider passten die Dinger aber nicht: zu kurz, mit angerolltem Rand die falsche Kopfform und zu dünn. Also habe ich die Niete in einem flink improvisierten und ziemlich primitiven Werkzeug umgeformt:

 

...platt gehauen mit dem Hammer, aufgeweitet mit einem Dorn (wodurch sie auch etwas in die Länge gezogen wurden) und dann vernietet mit einem speziell angefertigten Nietformwerkzeug und einer Zange. Logisch: in das Haubenauflageband müssen vorher an den passenden Stellen Löcher gestanzt werden. Doch dafür gibt es Locheisen.

Das improvisierte Nietwerkzeug: ein Stück Flacheisen mit passenden Bohrungen und Senkungen zur Korrektur der Kopfform. Im oberen Loch ein bereits flach geformes Hohlniet.

 

Und dazu ein Dorn in Gestalt eines Wellenstücks aus dem guten alten Märklin-Metallbaukasten zum Aufweiten und Tiefziehen des Hohlniets. Im Hintergrund die Messingniete aus dem Schreibwarengeschäft und in Bildmitte der Nietkopfmacher für das Vernieten des Auflagebandes mit einer Zange (nicht im Bild).

Ab dem 01. Dezember ging es mit dem Einpassen der hinteren Kotflügel weiter: dass an einem Vorkriegsauto aus Holz die Kotflügel einfach so passen, ist ein Fall für den Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Aber nicht in der Werkstatt: allerlei Tricks und viel Geduld waren nötig, um den Wagen mit allen Blechen passgenau zu vervollständigen.

Am 03. Dezember, spätabends und mit der Hilfe meines Freundes Volker, bekam die Karosserie erstmals wieder Konturen: im glänzenden Schwarz wie einst. Ein Moment mit "Wow-Effekt". Noch fehlten die Kotflügel, zu deren Montage die Kederbänder zugeschnitten und diverse Löcher für die Schrauben darin eingestanzt werden mussten.

 endlich fertig 

 

Am 10. Dezember um ca. 14:00 Uhr war es geschafft: die letzten Schrauben an den Kotflügeln waren fest angezogen, eine Schweigeminute lang stand ich vor dem alten Auto, und wir guckten uns an. Schönes Gefühl!

 

Auf den Stundenzetteln stehen inzwischen ungefähr 985 Arbeitsstunden, die sich aber gelohnt haben.

Am Nachmittag begann der Lackierer und sein Lehrling noch mit dem Polieren. Auch damals hatte jeder stolze Autobesitzer seinen fahrbaren Untersatz auf Hochglanz gewienert, allerdings mit Muskelkraft und Bergen von Polierwatte und Wolllappen.

 

Knochenarbeit im Vergleich zu heute, wo Maschinen und hoch wirksame Polituren nicht nur die Anstrengung vermindern, sondern auch Ergebnisse liefern, die früher überhaupt nicht denkbar waren.

 

Damit Kunstleder und Verdeckstoff nicht mit Spritzern von Politur beschmutzt werden, musste die Karosserie noch einmal abgedeckt werden.

Mai 2012

Dezember 2014

Am 12. Dezember der Schlusspunkt: endlich geschafft! Nach 697 Tagen, 986 Arbeitsstunden (ohne Motorinstandsetzung, Autosattlerei und Lackiererei) wartet das automobile Denkmal fast zwei Jahre nach Beginn der Restaurierung darauf, wieder auf die Straße losgelassen zu werden.

 

Der Gedanke "zum Fahren zu schade" drängt sich auf.

Auslaufendes Wasser an einer der Kupferwaben

 letzte Meldung 2014: 

 

am 30. Dezember 2014 stellte sich beim Einfüllen des Kühlwassers heraus, dass der Kühler, der parallel zu den Lackierarbeiten zwecks Überprüfung zum Kühlerservice gebracht worden war, schwere Inkontinenz zeigte...

 

...das heißt, so wie oben Wasser eingefüllt wurde, so lief es unten wieder heraus. Möglicherweise sind durch das Löten einer kleinen Leckage und anschließende Innenreinigung Kalkablagerungen beseitigt worden, die vorher abdichtende Wirkung hatten.

 

Merke: so lange ein alter Kühler einigermaßen dicht ist - Finger davon lassen!

 

 Frustmoment:  also musste der blöde Kühler wieder ausgebaut werden, dazu waren alle Schrauben der Kühlermaske zu entfernen, die Maske nach vorn anzuheben, der Kühler auszubauen und noch einmal zum Kühlerdienst zu bringen!

 

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