INNERE ANGELEGENHEITEN 

 2013 

 Zwischendurch  kam das Armaturenbrett an die Reihe. Immerhin konnte es im Wintergarten oder im Wohnzimmer in privater Zweisamkeit und nebenher beim Fernsehen bearbeitet werden.

Diese Nebenbschäftigung fand "im näheren sozialen Umfeld" nicht immer uneingeschränkten Beifall...

Vom alten Glanz war nicht viel übrig, und Volker Pötsch vom Deutschen DKW Club bewarte mich vor einer riesigen Dummheit: die Oberfläche sieht so aus, als ob das Armaturenbrett in feiner Handarbeit mit Furnier belegt sei.


Solches Furnier verleitet zu der Annahme, dass die Oberfläche mit Schleifpapier sauber eingeebnet und mit neuem Lack zu frischem Glanz gebracht werden kann.

Nicht so beim Armaturenbrett des DKW! Die Oberfläche täuscht das edle Holz nur vor, die Wirklichkeit ist reine Schau – alles nur kunstvoll gedruckt. Auf jeden Fall würde Schmirgelpapier die alte Pracht sofort und unwiederbringlich zerstören. Volker Pötschs Warnung war Gold wert – sofort war mir klar, dass Schleifpapier absolut tabu sein muss.

Der DKW-Kenner riet auch eher von Eigeninitiativen ab – zu diffizil sei die Aufgabe, es gäbe aber einige Spezialisten, die sich darauf verstünden, die alte Pracht manierlich wieder herzustellen.


Außer dem Zahn der Zeit haben auch leichtfertige Zeitgenossen des kleinen Autos böse Spuren hinterlassen.

 

Die Befestigungsschrauben des Armaturenbretts waren mit gefühlloser Gewalt angezogen und hatten sich tief ins Holz eingegraben.

Ein Aschenbecher war mit zwei Schrauben lieblos und an unpassender Stelle neben dem Handschuhfach montiert worden – nach seiner Entfernung störten häßliche Schraublöcher das Bild. Ein Schalter für eine Nebellampe war links unten eingebaut, aber die Nebellampe gibt es nicht mehr.

 

Für das Fernlicht muss irgendwann einmal eine Kontrollleuchte nachgerüstet worden sein, die nach der zeitgenössischen StVZO von 1936 noch nicht vorgeschrieben war, später aber vom TÜV verlangt wurde. Leider war sie zu kurz, um für das ziemlich dicke Armaturenbrett geeignet zu sein – die Gegenmutter passte nicht aufs Gewinde. Rohe Handwerkerhände müssen deshalb mit einem ziemlich großen Bohrer einen mächtigen Krater ins Brett geholzt haben, und zwar von vorn. Eine optische Katastrophe!

 

Und zu guter Letzt muss irgendeine Plakette, etwa bierdeckelgroß, auf der linken Seite vor dem Lenkrad festgenagelt gewesen sein, vermutlich der heilige St. Christopherus, Schutzpatron der Reisenden. Er durfte in keinem Kraftfahrzeug fehlen und wurde inzwischen von Airbags, Sicherheitsgurten und dem Antiblockiersystem ersetzt. Jedenfalls hatte diese christliche Reiseversicherung nicht nur vier Nagellöcher, sondern auch einen kreisrunden Abdruck Ihrer Blechkante hinterlassen.

In diesem riesigen Mondkrater befand sich die Fernlichtkontrolle.

Nach dem Ausbau sämtlicher Schalter und Armaturen wurden die störenden Löcher mit Buchenholzstäben passender Größe ausgestopft und verleimt. Als Leim habe ich ein Gemisch aus UHU Endfest 300, einem sehr langsam aushärtenden Epoxydharzkleber, und sehr feinem Holzmehl aus meinem Bandschleifer verwendet.

Diese Mischung ergibt eine holzfarbene Paste, chemisch nicht aggressiv und ohne Lösungsmittel, sodass sie gut verträglich mit allen alten Lacken und Leimen ist, sich fein auftragen, spachteln und glätten lässt und hinterher bestens weiter verarbeitet werden kann.

 

Ein Trick sorgte dafür, dass die so verfüllten Löcher fast keiner Nachbearbeitung bedurften: auf die noch frische Paste habe ich einen Streifen Tesa-Film geklebt, der die Oberfläche spiegelglatt und vor allen Dingen eben mit der Umgebung abschließt. Ansonsten hätten die Ränder der Reparaturstelle später beigeschliffen werden müssen, was höchst schwierig wäre, ohne die aufgedruckte Holzmaserung ringsumher zu verletzen.

 

Nach dem Aushärten lässt sich der Klebefilm vorsichtig abziehen und die Oberfläche schließt bündig mit dem Armaturenbrett ab. Der riesige Krater der Fernlichtkontrolle wurde in zwei Etappen verfüllt: die Schadstelle war einfach zu groß und in einem Arbeitsgang nicht zu reparieren.

 

Auch neben dem Zünd- und Lichtschalter gab es hässliche Spuren, in diesem Fall wohl von einem Schlüsselbund verursacht, der bei Bodenwellen, Schlaglöchern und den früher häufig gepflasterten Straßen für allerlei Einschläge in der Lackoberfläche gesorgt hatten.

Nach der Ausbesserung der Schadstellen und dem Verfüllen der Löcher – was sich so einfach schreibt und liest, aber endlose Arbeitsstunden verschlang – ging es mit Behutsamkeit an die Oberfläche.

 

An einer später nicht mehr sichtbaren Stelle fanden erste Versuche mit Klarlack statt. Wenn hier etwas schief gehen würde, wäre es nicht schlimm.

 

Die verfüllten Stellen hatten jetzt natürlich keine Maserung und fielen deutlich auf.

Die Reparaturstellen und deren Ränder mussten nun noch der Umgebung angepasst werden, damit die Maserung ein gleichmäßiges Bild ergibt und die verfüllten Löcher nicht mehr auffallen. Mit feinen Pinseln aus dem Schulmalkasten, zwei Brauntönen und etwas Schwarz aus dem Modellbausortiment von Revell wurde getupft, gewischt und feine Striche gezogen. Eine Spur malerisches Talent schadet nicht.

 

Die Maserung der oberen Furnierschicht hatte in den Jahrzehnten unablässig gearbeitet, wie Holz das nun mal so an sich hat, und zahllose feine Risse hatten das Armaturenbrett überzogen. Nach behutsamem Anschleifen mit feinstem Schleifpapier wurde an der Versuchsstelle noch eine zweite Lackschicht aufgepinselt, und siehe da: der Lack drang durch die Kapillarwirkung in die feinen Risse ein und machte diese absolut unsichtbar.

Die Versuche zeigten, wie es funktionieren würde: nach einigem Zögern und Bangen mischte ich eines Tages den Klarlack für das ganze Armaturenbrett, der Auftrag erfolgte nun aber nicht mit dem Pinsel, wie bei den ersten Versuchen, sondern mit einer Spritzpistole.

 

Es gab nur einen Versuch...

 

Ein mulmiges Gefühl begleitete diese Arbeit, also tief durchatmen und los gehts. Wenn jetzt etwas daneben gehen würde, wäre das Armaturenbrett verdorben und alle Arbeit umsonst. Nach dem Spritzen legte ich das frisch lackierte Brett in meinem Auto hinter die Windschutzscheibe, wo mit gut 50°C brütende Hitze herrschte, denn es war ein sonniger Tag im August. Schon nach wenigen Minuten war der Lack hart und es folgte gleich noch ein zweiter Lackauftrag.

Armaturenbrett, probeweise eingebaut.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Natürlich ist mir nicht verborgen geblieben, dass es Repliken solcher Armaturenbretter fertig zu kaufen gibt. Aber ich wollte doch zu gern mein Original erhalten.

 

Ich habe auch in Museen und auf Ausstellungen solche DKW gesehen und natürlich ging mein erster Blick auf dieses Detail.

 

Ich bin zufrieden: mein Armaturenbrett sieht wieder richtig toll aus und entspricht absolut dem Original.

 

Weiter lesen… "Reise ins Vogtland".

 

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