KOSMETIKSALON, TEIL 1 

 2014 

Am 23. September ging es endlich in die Lackiererei, wo ich selbst mit Hand anlegen konnte: Abbauen der Kotflügel, der Seitenbleche und der Kühlermaske, aber auch der vielen Kleinteile wie Scheinwerfer, Signalhorn, Nummernschildhalter und anderes Beiwerk.

 ...in der Zwischenzeit... 

...war ein ungleicher Bruder aufgetaucht und hatte in der Fachpresse für Aufsehen gesorgt: ein F5, ebenfalls Ausführung Reichsklasse mit mageren 18 PS, ebenfalls Baujahr 1936, ebenfalls in Westdeutschland eingemottet und vergessen: eine Sensation! Ebenfalls nach dem Wirtschaftswunder nicht achtlos weggeworfen, sondern - von den Jahren gezeichnet - verwahrt und (ebenfalls 2012) wieder aufgetaucht.

 

Der ungleiche Bruder, in der "Motor-Klassik" als "Scheunenfund" gefeiert, befand sich in ungewöhnlich gutem Zustand, fast nicht verändert und nur mit Blinkern nachgerüstet. Die Duplizität der Ereignisse! Doch während jenem seit dem 22.11.2014 die große Ehre zuteil wurde, mit allen Falten und Spuren eines Autolebens konserviert im August-Horch-Museum als dreidimensionales Denkmal ausgestellt zu werden...

...sollte unserem F5 hier die "vierte Dimension" hinzu gefügt werden: die Bewegung! Das Wichtigste an einem historischen Auto ist sicher seine Erhaltung, aber das Schönste an einem Auto ist, dass es fährt.

Ausbeulen, spachteln, schleifen, und das Ganze so oft, bis es endlich perfekt ist. Wer den fleißigen Händen nicht über die Schulter guckt, ahnt nicht die enorme Mühe, die hinter dieser Viecherei steckt.

 

Der Lackierer hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben und zwei Musterbleche im DIN-A4-Format lackiert: eines in seidenmatt, das andere in glänzend schwarz. Er hatte Bedenken, dass "glänzend" vielleicht zu "speckig" aussehen könnte und nicht dem Original entsprechen würde.

Schnell wurden alle verfügbaren Fotos ausgegraben: aus dem Familienalbum, von den beiden DKW-Jahrestreffen in Garitz 2012 und 2013, Aufnahmen aus dem August-Horch-Museum und aus dem Zeithaus in Wolfsburg. Vom F1 bis zum F7, und alle waren hoch glänzend lackiert.

 

Es war früher selbstverständlich, den Wagen regelmäßig mit Autopolitur und rauhen Mengen Polierwatte zu pflegen und auf Hochglanz zu halten. Ein Auto hatte zu blinken wie ein frisch gewichster Lackschuh.

Während der Lackierer und seine "Vorarbeiter" sich also um perfekte Oberflächen bemühten und die Kühlermaske demontiert war, bot sich die günstige Gelegenheit, den Kühler zum Spezialisten zu bringen. Es hatte sich gezeigt, dass ein vermutlich sehr kleines Leck für schleichenden Wasserverlust sorgte. Der Fachmann lötete die Leckage und der ganze Kühler wurde innen und außen gereinigt.

 

Bei zwei sommerlichen Fahrten - zugegeben in einem Fall bei 34°C Außentemperatur - war das Kühlsystem allerdings schon einmal an seine Grenzen geraten: nach einer Steigung mit 11% und drei Insassen brodelte es nach dem Abstellen in der Garage unter dem Kühlerdeckel recht bedrohlich und am Überlaufrohr sprudelte heißer Dampf wie aus der Espressomaschine heraus.

So reifte der Verdacht, dass es trotz aller Bedenken (wegen der Optik) wohl doch nicht so dumm wäre, einen elektrischen Zusatzlüfter zu installieren.

 

Die Blech- und Kleinteile nahmen mehr Zeit in Anspruch als angenommen. Zugegeben: auch diesen Aufwand hatte ich ehrlich gesagt kräftig unterschätzt.

 

Sorgen bereitete ein kleiner aber gemeiner Blechschaden an der linken Motorhaubenhälfte.

 

Die Blechkante war von Reibereien mit der Haubenlagerung völlig durchgescheuert - Schweißen schien unmöglich, da unmittelbar nebenan eine Hartlötstelle vorhanden war.

 

weiter lesen mit "Kosmetiksalon, Teil 2".

 Zusatzlüfter:   wie bereits an anderer Stelle geschildert, hatte der DKW nach einer 11%-Steigung und sommerlichen 34°C schon einmal mit Rauchzeichen auf sich aufmerksam gemacht. Das Kartoffelwasser war übergekocht. Ein zünftiger Propeller mit elektrischem Antrieb stand von da an auf dem Wunschzettel.

 

Allerdings wäre ein hypermoderner Zusatzlüfter heutiger Machart mit High-Tech-Krummsäbelflügeln aus Plastik eine optische Katastrophe im historischen Maschinenraum. Zum Glück lief mir ein Exemplar aus dem Schrottcontainer über den Weg, der noch recht passabel aussah. Dieser war zwar wegen eines Lagerschadens flügellahm, aber schnell konnte an einem Bastelabend auf der Drehbank ein neues Gleitlager hergestellt werden und jetzt bläst der kleine Luftikus wieder einwandfrei.

 

elektrischen Zusatzlüfter nachrüsten: Theorie & Praxis.

Zur Befestigung des "neuen" Lüfters war nun allerdings eine Halterung notwendig, die ich aus ein paar Reststücken Flach- und Vierkanteisen angefertigt habe. Auch dieses nicht ganz dem Original entsprechend, denn für den "DKW-Zusatzlüfter" gab es einen speziellen Schaltturm, an dem der Zusatzlüfter festgeschraubt wurde. Und solch ein Ersatzteil heute noch zu finden erscheint ziemlich aussichtslos.

 

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