August 

 Erstes August-Wochenende: Freiburg im Breisgau 

Dieses Jahr fand das 43. Internationale AUVC-Treffen in Freiburg statt: die Sonnenterrasse Deutschlands trommelte die Crème de la Crème der Auto Union zusammen! Na ja, nicht ganz: außer DKW und ein paar Youngtimern der Marke Audi war von den anderen Unions-Mitgliedern niemand gekommen: Horch, Wanderer oder Vorkriegs-Audi waren keine dabei. So wurde aus dem AUVC-Treffen faktisch ein DKW-Treffen.

 Donnerstag  Von wegen Sonnenterrasse Deutschlands: der Breisgau begrüßte uns schon während der Anreise nach Freiburg mit Sch...wetter! Dem Regen einerseits und der Gischt des Zugfahrzeugs andererseits war der hölzerne DKW schutzlos ausgeliefert. Außerdem hatte der historische Scheibenwischer den Dienst quittiert und da es keine Lüftung im DKW gibt, geriet das Abladen zum Blindflug-Manöver.

Alle Scheiben waren nämlich von innen beschlagen, kurz und knapp: der DKW war frisch gebadet, und die Stimmung im Eimer! Es sei daran erinnert, dass mein F5 (Reichsklasse) im Grunde die Karosserie des F2 hat, nur mit dem Unterschied, dass der F2 einen Türschweller hat, und der F5 nicht - Ergebnis: das Wasser spritzt von der Straße in die Türfuge hinauf (die Wasserkränze sind deutliche Beweise), und eine Dichtung gab es nicht. Man schrieb das Jahr 1936 und die Reichsklasse war das Sparschwein von DKW.

 

 Freitag  Die Mitfahrt zum Besuch der Cité de l' Automobile in Mülhausen versprach schon im Voraus Reizüberflutung pur - automobile Köstlichkeiten als Überdosis! Wer dieses Museum besucht und schöne Autos mag, sollte Beruhigungspillen dabei haben.

 

Das Museum erlaubt zwar ausdrücklich das Fotografieren, aber nur zu privaten Zwecken. Obwohl meine Internetseite rein privat ist, halte ich es für nicht abwegig dass ein Abmahnverein anderer Meinung sein könnte. Nicht nur aus diesem Grund wird hier auf Bilder aus der berühmten Sammlung der Gebrüder Schlumpf verzichtet.

Das Eingsngsportal zum Museum

Deshalb zeige ich hier nur Bilder vom Eingang, die jeder Besucher auch ohne Eintritt zu bezahlen sehen kann.

 

Außerdem ist diese Automobilkollektion bestimmt teuer in der Unterhaltung und letzten Endes (auch) durch Eintrittsgeld finanziert - und sie ist so überwältigend gestaltet, dass nur jedem empfohlen werden kann, sich hier einmal umzusehen. Es wäre unfair, durch die Veröffentlichung meiner Fotos dafür zu sorgen, dass sich andere Autoliebhaber den Besuch der Kollektion sparen. Wir haben 12 Euro pro Person bezahlt und keinen Cent davon bereut. Es ist einfach zu viel; es kommt der Punkt, wo man kein Auto mehr sehen mag.

 Samstag   Während unserer Tagestour in den Kaiserstuhl in den Ort Freiamt legten wir einen Zwischenstop in Endingen zum Fotografieren ein. Wie immer, lockte der betagte DKW ältere Passanten an, die sich an frühere Zeiten erinnert fühlten und alles ganz genau wissen wollten: "Wie alt? Wie viel PS? Warum kein 'H-Kennzeichen'?"

Ganz einfach: weil bei 600 cm³ Hubraum ein "H-Kennzeichen" in der Steuer teurer ist als ein reguläres Kennzeichen.

 

Außerdem hatte der DKW diese Autonummer schon ab September 1956, warum soll da heute ein "H" dahinter sein?

 

Wir waren als erster Wagen losgefahren, und als wir anhielten, bot sich genug Gelegenheit, die nachfolgenden Fahrzeuge zu bewundern und zu fotografieren.

 Kaiserwetter   am Kaiserstuhl: zum Treffen der schönen Autos machte die wärmste und sonnenreichste Region Deutschlands ihrem Ruf dann doch noch alle Ehre. Hier spiegeln sich Wolken und blauer Himmel im metallic-blau eines beringten Kofferraumdeckels.

Unsere Freunde aus England waren mit ihrem F12 zu Dritt und mit Gepäck über rund 1.000 km angereist. Bei einer Weinprobe mit einem zünftigen Vesper hatte ich mich als inoffizieller Übersetzer betätigt und mich bei der Familie von der Insel der Falschfahrer eingeschmeichelt. Dem aufmerksamen Beobachter fällt allerdings auf, dass der englische F12 ein Linkslenker ist!

 Was es nicht alles gibt   kein DKW und auch kein Auto Union, sondern ein IFA, und zwar mit einer Lackierung, die in Amerika den Spitznamen "candy apple" weg hat. Auf gut deutsch: der Wagen glänzt wie ein "Liebesapfel" von der Kirmesbude. Dass im ehemaligen Schwesterstaat so etwas lieferbar gewesen sein soll, darf bezweifelt werden - auch nicht in sozialistisch korrektem rot. Zwar fällt es auf, aber authentisch ist es möglicherweise nicht - es sei denn: tja, wenn die Lackierung vor mehr als 25 Jahren aufgebracht wurde? Immerhin sieht es toll aus.

 Blaskonzert mit Marschmusik   Automobiltechnisch und fachlich ein erstklassiges Meisterstück oder mehr, automobilhistorisch eine Vergewaltigung - dieser giftgrüne DKW Monza war ein Unikum besonderer Güte und wurde von einem Abgasturbolader zwangsbeatmet. Leider war der Besitzer oder Dompteur dieser Zweitaktrakete gerade nicht zugegen. Über Vorgeschichte, Leistung, Drehmoment und Fahrleistungen konnte ich deshalb nichts in Erfahrung bringen.

 Drucksache    die mechanische Bosch-K-Jetronik wurde erst nach dem Monza entwickelt, sodass das H-Kennzeichen nur den Rückschluss zulässt, dass dieses Druckwerk schon vor mindestens 25 Jahren auf seine Rennreifen gestellt worden sein muss. Nicht nur die Atemluft, sondern auch Benzin und Schmieröl müssen dem Zweitakter mit drei Zylindern unter Druckausübung gewaltsam zugeführt worden sein.

 Untergrundkämpfer  Die tief unten im Maschinenraum verborgene kleine Turbine dürfte dem Zweitakter wohl gehörig eingeheizt haben und die Fahrt mit diesem Monza zu einem Erlebnis gemacht haben, das dem berühmten Ritt auf Eulenspiegels Kanonenkugel alle Ehre macht. Leider konnte ich das ausgestellte Exemplar nur im Ruhezustand bewundern. Aber der Giftzwerg ist ist im doppelten Sinn eine "heiße Kiste" gewesen und dies sind wohl (fast) die letzten Bilder, die von diesem Wagen geschossen wurden, denn...

 ...heiliger St. Florian!  Mit Bestürzung habe ich kürzlich erfahren, dass dieser Monza auf der Heimreise bei Bruchsal durch einen Brand schwer beschädigt oder sogar unwiederbringlich zerstört wurde. Mehr Informationen hier.

 Dichter und Lenker  Bei der Fehlersuche identifizierten diese beiden Automobilisten die Dichtung der Benzinpumpe als Störenfried. Dummerweise war unterwegs kein Ersatzteil zur Hand. Wie später zu hören war, ist ein findiger Kopf auf die Idee gekommen, aus dem wasserdicht imprägnierten Pappboden eines Eisbechers von dem Eisverkäufer, der zufällig vor Ort war, mit dem Taschenmesser ein Provisorium zu schneiden - und siehe da: nach der Mittagspause lief der Wagen wieder.

 Frontwagen rot weiß  Diese beiden wunderschönen DKW F1 waren die ältesten Gäste des AUVC-Treffens. Heute erinnern diese kleinen Wagen etwas an Seifenkisten, aber mit ihnen begann die Erfolgsgeschichte der beliebten Autos mit Vorderradantrieb, die bald zum Verkaufsschlager wurden.

 Klassentreffen  ziemlich spontan formierten sich einige Frontwagen zum Gruppenbild. Gerade als wir zurück nach Freiburg starten wollten, winkte man auch uns herbei. Ganz hinten die beiden F1 in rot und weiß, dazu noch zwei F5 Meisterklasse, ein Roadster und ein Zweisitzer Cabriolet-Limousine. Vorn meine F5 Reichsklasse.

 Spielwiese   der ganze Blech-, Holz- und Kunststoffspielzeugladen hatte sich auf einer Hangwiese im Freiamt versammelt. Hier und da hatten sich auch Fremdmarken unter die Ringe der Auto Union gemischt, die bedauerlicherweise aber ohnehin nur von DKW repräsentiert und von einigen wenigen Nachkriegs-Audi und ein paar NSU flankiert worden waren. Vereinzelte Fremdfabrikate störten das Bild deshalb nicht - ein DKW-Fahrer, an sich in Treue fest, war bei der Anreise einer defekten Kupplung zum Opfer gefallen und mietete in seiner Not einen 1200er Käfer, mit dem er im Pulk der Zweitakter mitfuhr.

 Sonntag  Ein Abschied mit Schwarzwälder Tradition: zum regionalen Brauchtum gehört die Volkstracht mit dem Bollenhut, den die jungen Frauen erstmals mit der Konfirmation tragen dürfen. Heute wird die Tracht nur noch zu besonderen Anlässen getragen, und das AUVC-Treffen war solch ein Anlass.

Auch meine alte Reichsklasse durfte mit den jungen Damen posieren. Zum Abschied zierte noch einmal das Besatzungskennzeichen den Wagen, mit dem er vor mehr als 60 Jahren schon einmal zu einem Familienurlaub durch den Schwarzwald gekurvt war. Danach hieß es, den DKW auf den Anhänger zu verladen, Abschied nehmen und ab auf die Autobahn.

 Rheintour  Das Wetter war zu schön, um lange auf der Autobahn zu bleiben. Deshalb ging es ab Bingen über die B9 am Rhein entlang bis zur Burg Pfalzgrafenstein.

Hier wurde der DKW wieder abgeladen, Zugfahrzeug und Trailer zurück gelassen und mit der Fähre zum Weinort Kaub übergesetzt.

Die ehemalige Zollburg im Rhein war ursprünglich von Ludwig dem Bayern gebaut, um Schiffszoll zu erheben.

 

Später aber gab es mächtigen Ärger mit dem Papst, nachdem Pfalzgraf Ludwig II. die Zollburg gekauft hatte und sich weigerte, die Einnahmen an die Kirche weiter zu leiten.

Der DKW musste nun nicht nur unser gesamtes Gepäck schleppen, sondern nach Einkehr im Weingut Bahles in Kaub war auch noch eine Kiste Wein zu verstauen. Im Kofferraum wurde es daher ziemlich eng.

 

 

 Die Loreley  Auf der weiteren Heimreise unterbrachen wir die Fahrt zu einem Foto vor dem gewaltigen Loreleyfelsen, dessen Spitze hier von einer Deutschlandfahne markiert wird. Von dieser Seite des Stroms ist der wohl berühmteste Berg am Mittelrhein nicht sehr gut zu sehen und wirkt weniger majestätisch, als von der anderen Seite bei St. Goar.

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                letzte Aktualisierung: 29.08.2017...                                                         YouTube Video vom 44. internationalen AUVC-Treffen in Tienhoven  2017          seit seit 20.08. neue Seite in englischer Sprache (Einstiegsseite), seit 13.08. neue Seiten in englischer Sprache (Seite "2017", "Garitz 2017" und "Tienhoven 2017")                
 

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